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Georg Büchner
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Leonce und Lena
Pressestimmen

 
Die Presse, 5. Mai 2003

Punkmädchen im Mondschein

Das Ensemble Theater am Petersplatz spielt „Leonce und Lena“: Witzig, präzis und ein wenig mondsüchtig.

An gelungenen Komödien ist die deutsche Literatur nicht reich. Umso bemerkenswerter war der Erstversuch Georg Büchners, der „Leonce und Lena“ 1836 für ein Preisausschreiben des Cotta-Verlags schrieb. Im Jahr darauf starb Büchner, im für Dichter hoffnungsvollen Alter von 23 Jahren. Wie eine Vorahnung scheint in der Retrospektive dieses unheimliche Lustspiel, das seinen Darstellern vor allem eines abverlangt, um nicht ins Schwankhafte abzugleiten – eine präzise Mechanik.

Michaela Scheday ist mit ihrer Regie für das Wiener Ensemble Theater dieser Balanceakt gelungen. Ein traurigfrohes Königskinderpaar (Stefan Bochdansky als Leonce, Pilar Aguilera als Lena), ein fahriger König Peter (Manfred Dungl), der gerade so verrückt ist, aber noch immer so bei Sinnen, dass er als Mächtiger auch heute noch ein passabler hoher Funktionsträger wäre. Dazu gesellen sich entsprechend devote Hofschranzen mit der nötigen Gelenkigkeit zum Buckeln und Intrigieren (Hubert Wolf, Paola Aguilera, Erika Deutinger, Wolfgang Palka und Friedrich Grünzweig). Fast glaubt man sich in Wien, und nicht im Kleinststaat Popo.

Überragend, als androgynes Wesen, wurde Valerio von Ursula Strauss gespielt. Ein abgekochtes Punkmädchen, ein weiser Narr, der/das sich mühelos zwischen Zote und heiligem Ernst bewegte. Auch für die unglückliche Prinzengeliebte Rosetta (Barbara Horvath) und die Gouvernante (Alexandra Maria Timmel) hat sich Frau Scheday ein paar überraschende, körperbetonte Gags einfallen lassen.

Der Schluss geriet mit der Einbettung eines Liedleins von Konstantin Wecker ein wenig mondsüchtig und sentimental. Aber darauf war man durch die entsprechende Beethoven-Sonate, leitmotivisch eingesetzt, vorbereitet worden.

Norbert Mayer

 

Wiener Zeitung, 5. Mai 2003

Verschlungene Irrwege

Während in Berlin Robert Wilsons Fassung von Georg Büchners „Leonce und Lena“ mit Musik von Herbert Grönemeyer in Claus Peymanns Berliner Ensemble Triumphe feiert, findet auch in Wien – im Ensemble-Theater – die Premiere einer Neuinszenierung des vielgespielten Stückes statt. Und auch sie verspricht eine kleine Sensation zu werden. Denn Michaela Scheday lieferte eine hinreißende, fantasievolle, berückende Aufführung. In der witzigen Ausstattung von Martina Tscherni läuft die Geschichte von den Irrwegen zweier junger Menschen, die ihrer – höflich ausgedrückt – seltsamen Umgebung zum Trotz zueinander finden, so zaubrisch und unwirklich ab wie in einem raffiniert angelegten Spiegelkabinett. „Täuschung, nix als Täuschung“ könnte man mit Nestroy sagen, denn kaum etwas ist so, wie es scheint. Valerio etwa, der Kumpan von Leonce, wurde hier zum (androgynen) „Narren“ und wird von einer Frau (brillant Ursula Strauss) verkörpert. Dieser „Narr“ hält die Fäden in der Hand und führt alle weidlich an der Nase herum.

Temperamentvoll und dynamisch ist Stefan Bochdansky als Leonce, bezaubernd und spaßig und rührend Pilar Aguilera als Lena. Manfred Dungl vermeidet als König dankenswerterweise alle Dodelhaftigkeit und ist schlicht und einfach verrückt, Alexandra Maria Timmel gibt der Gouvernante herben Charme. Reizend ist Barbara Horvath als Rosetta. Die Hofschranzen (und -innen) reißen das Publikum zu Lachstürmen hin, denn Paola Aguilera, Erika Deutinger, Hubert Wolf, Wolfgang Palka und Friedrich Grünzweig sind wirklich köstlich.

Ein fulminanter Theaterabend, der sicherlich bald beim Wiener Publikum zum Geheimtipp werden wird.

Lona Chernel

 

Kurier, 5. Mai 2003

Stilisierter Liebesreigen

Ein gelangweilter Prinz, ein Backfisch einer Prinzessin, ein von allen dummen Hofschranzen und dem eigenen Denken verlassener König und ein vollbusiger, den Thronfolger begleitender Valerio – das Personal in Georg Büchners „Leonce und Lena“ ist auf der Suche nach seiner Daseinsberechtigung. Zumindest im Ensembletheater am Petersplatz, wo Regisseurin Michaela Scheday verbal die Kraft der Liebe beschwört, letztlich aber nur an der (stilisierten) Oberfläche kratzt.

Ein Hauch von Sozialkritik, eine Prise Musik – das Klavier ist allgegenwärtig – und der milde Mondschein als Sinnbild humaner Träume: Scheday würzt Büchners pittoresken Liebesreigen mit teils guten, teils bekannten Gags und einigen Stück-fremden Texten. Zu echter Intensität findet die Regie aber nur in Ansätzen.

Gleiches gilt für die Darsteller: Stefan Bochdansky und Pilar Aguilera sind bodenständige Königskinder; Ursula Strauss darf als Valerio sehr pointiert die Geschlechterfrage thematisieren. Solide das von der berührenden Barbara Horvath angeführte Ensemble.

PJ

inszenierung.at

Ensemble Theater